Die Bettlerkinder von Koppa 

Eine NAMO' Erfolgsgeschichte

Projektleitung vor Ort: Shammi David, Namo (India) Trust, Kushalnagar

Das südindische Dorf Koppa befindet sich direkt an der Strasse Bangalore-Mangalore im Bundesstaat Karnataka. Einen Teil der Gemeinde bildet die Community der Rag-Pickers (Lumpensammler).  Die Rag-Picker Community ist vom Zusammenleben dreier verschiedener Gruppen aus der untersten sozialen Schicht geprägt. Zwei der Gruppen pflegten ursprünglich die nomadische Lebensweise. Sie sind nach der Vertreibung aus ihrem angestammten Gebiet in Zentralindien und nach einer jahrelangen Odysee durch ganz Südindien in den 1980-er Jahren zugewandert. Diese Gruppen pflegten laut eigenen Angaben traditionellerweise das Jagen und Fischen, mussten sich jedoch seit ihrer Vertreibung als Taglöhner, mit Betteln sowie gelegentlichen Schirmreparaturen Sammeln von Plastikabfällen auf Strassen und Abfallhalden ihren Lebensunterhalt verdienen.
   

Vor Beginn des NAMO' Koppa-Projekts im Jahr 1999  präsentierte sich die Situation wie folgt:

In der Rag-Picker-Kolonie lebten etwa 104 Familien. Einige von ihnen wohnten in einfachen Häusern, welche von der Lokalregierung finanziert wurden (ein Raum, ein Ziegeldach, ein Fenster, eine Tür). 40 Familien hausten jedoch noch immer in kleinen Hütten, welche aus Plastikblachen und Abfallmaterialien gebastelt wurden. Die gesamte Community lebte in grosser Armut. Die hygienischen Bedingungen waren gesundheitsschädigend, es gab keine Toiletten und kein sauberes Wasser. Krankheiten grassierten. Laut Shammi David, der NAMO' Projektleiterin vor Ort, war der allgemeine Gesundheitszustand besonders bei Frauen und Kindern aufgrund von Mangelernährung alarmierend. Die gesamte ältere Generation bestand und besteht auch heute noch aus Analphabeten, bis auf Herrn Dharma, dem Chef der Community, der sich seine Bildung autodidaktisch angeeignet hatte. Neben gelegentlichen Taglöhnerarbeiten in Strassenunterhalt und Landwirtschaft gingen die Erwachsenen, meistens die Frauen, dem Betteln und Plastiksammeln als Erwerbstätigkeit nach. Vor 1999 gab es kein einziges Kind der Community, das eine Schulbildung abgeschlossen hatte.

Was wurde getan?

Im Oktober 1998 hat Shammi David, Geschäftsführerin von Namo (India) Trust im Auftrag von NAMO' Interkulturelle Projekte eine Situationsanalyse der Rag-Pickers in Koppa erstellt. In ihrem Bericht hielt sie fest, dass 1998  ca. 90 Kinder im Schulalter in der Rag-Picker Community lebten. Nur 40 von ihnen besuchten die nahegelegene Milinda-Schule, die meisten von ihnen eher sporadisch und nur für kurze Zeit, denn für die Eltern bedeutete der Schulbesuch ihrer Kinder, dass sie ihnen täglich ein Mittagessen sowie Schuluniform und Bücher berappen mussten. Die meisten Eltern konnten sich dies mit ihrem minimalen Einkommen eigentlich gar nicht leisten und so wurden die Kinder meist noch vor Abschluss der Primarstufe aus der Schule genommen, um mit Betteln und Plastiksammeln zum Familieneinkommen beizutragen. Ausserdem waren 1998 mindestens 20 Kinder Vollwaisen und auf ein eigenes Einkommen durch Betteln und die Hilfe anderer Communitymitglieder angewiesen.

Shammi David hat die Empfehlung abgegeben, für die Entwicklung dieser Menschen in erster Linie Bildung auf allen Ebenen zu betreiben, damit langsam eine Veränderung in ihrem Leben herbeigeführt werden könne. Besonders für die Kinder sei es wichtig, eine Schulbildung abzuschliessen. Damit würde sich die Community, wenn nicht im Leben der Eltern, wenigstens in der Lebensspanne ihrer Kinder soweit entwickeln, dass alle Angehörigen ein menschenwürdiges Leben führen können. 

1999 begann das NAMO' Koppa-Projekt.

 

Seit einigen Jahren hat die Community auch wieder vermehrt zu ihren Wurzeln zurückgefunden. Dank einem Kredit aus einem andern NAMO' Projekt konnte sie zwei grössere künstlich angelegte Weiher pachten und betreibt seither eine erfolgreiche Fischzucht. 

Ein Teil der Kredite und Darlehen, die durch NAMO' gesprochen worden sind, sind schon zurückbezahlt worden. Das Geld wird in Form von weiteren Krediten für weitere Unternehmungen dieser dynamischen kleinen Community verwendet.

      Koppa Fisch

Ich glaube, dass wir deshalb so erfolgreich waren, weil wir mithalfen, die eigenen Ideen der Communitymitglieder zu verwirklichen. Das hiess manchmal, dass wir uns von unseren Vorstellungen, wie die Dinge laufen sollten,  verabschieden mussten, was nicht immer leicht war.  Es hat sich jedoch gelohnt. Der Dank geht an unsere Gönnerinnen und Gönner, die uns mit grossen und kleinen Beiträgen ermöglichten, diese Arbeit zu leisten, und an Shammi David. Ohne ihren unermüdlichen Einsatz und ohne ihre diplomatische Art würden wir alle heute nicht mit Stolz auf diese Jahre zurückblicken.

Ursa Vogel,
Mai 2006

Fotos: Christian d'Heureuse, Roy David, Ursa Vogel

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